Die mindestens zwei Mal im Jahr von der Ferdinand-Tönnies-Gesellschaft herausgegebene soziologische Zeitschrift "Tönnies-Forum"

 bemüht sich mit überwiegend soziologischen Aufsätzen die aktuelle Tönnies-Forschung flankierend zu begleiten. 

Das Einzelheft kostet 8.- Euro (Jahres-Abonnement 16.- Euro) und kann u.a. bei der Ferdinand-Tönnies-Gesellschaft erworben werden.

 (ISSN 0942-0843)  

   

Inhalt:

Reinhard Höhn und Ferdinand Tönnies von Arno Mohr

Ferdinand Tönnies und die Sozialdemokratische Partei Deutschlands von Alexander Wierzock

Nähe und Distanz eines Intellektuellen zur Sozialdemokratie von Alexander Wierzock

„Geschlossene Gesellschaften“ von Peter-Ulrich Merz-Benz

Hans Buske – der letzte Verleger von Ferdinand Tönnies von Sebastian Klauke

130 Jahre „Gemeinschaft und Gesellschaft“ von Uwe Carstens

 

Editorial

Sehr geehrte Leserinnen und Leser, liebe Freundinnen und Freunde der Ferdinand-Tönnies-Gesellschaft.

“ „Lieber Freund, welch ein Sommer! Ich denke Sie mir im Zimmer sitzend, mehr Omelette als Mensch.“ Friedrich Nietzsche schrieb dies Ende Juli 1887 an den Schriftsteller und Komponisten Heinrich Köselitz. Während ich diesen Text hier schreibe, an einem Julitag 2017 in Kiel, fällt draußen ein Starkregen. Hoffen wir also gemeinsam auf besseres Wetter. Das ich ein Zitat aus dem Jahre 1887 gewählt habe, ist natürlich kein Zufall. Die Auflösung findet sich in diesem zweiten Forum des Jahres 2017, aber als „Tönnies-Kenner“ ahnen sie die Lösung natürlich.
Wir beginnen mit einer Arbeit des Politologen und TG Bandeditors Arno Mohr, der sich mit der Beziehung zwischen dem Staats- und Verwaltungsrechtler Rein-hard Höhn und Ferdinand Tönnies auseinandersetzt. Höhn, der sich 1935 an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg mit einer Arbeit über den individuali-stischen Staatsbegriff und der juristischen Staatsperson habilitiert hatte, war 1934 maßgeblich an der Organisation und Durchführung des Soziologentreffens in Jena beteiligt, auf dem Ferdinand Tönnies als Präsident und Leopold von Wiese als Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Soziologie entmachtet wurden, um die Gleichschaltung der Soziologenvereinigung zu betreiben.
Der TG Bandeditor und Mitarbeiter des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen Alexander Wierzock hat sich in dieser Ausgabe des Forums dem Thema Ferdinand Tönnies und die Sozialdemokratie zugewandt. Tönnies, der sich nie als „Parteigänger“ verstand, war erst am 1. April 1930 gemeinsam mit seiner Frau Marie in die SPD ein¬getreten. Diesen Schritt verstand Tönnies auch mehr als „Demonstration“ gegen den Nationalsozialismus, da er gleichzeitig am 22. März 1930 aus der „Religionsgemeinschaft der evangelischen Kirche“ austrat, die, nach Meinung von Tönnies, als schleswig-holsteinische Landeskirche eine zu „nazi-freundliche“ Haltung eingenommen hatte.
Der Schweizer Soziologe, Philosoph und Ideengeschichtler Peter-Ulrich Merz-Benz, der 1996 mit einer Arbeit über „Ferdinand Tönnies’ begriffliche Konstitution der Sozialwelt“ den angesehenen europäischen „Premio Europeo Amalfi per la Sociologia e le Scienze Sociali“ bekam und mit „Erkenntnis und Emanation“ und „Öffentliche Meinung und soziologische Theorie“ 2015 zwei weitere Werke veröffentlichte, in denen Ferdinand Tönnies „weiter gedacht“ wird, beschäftigt sich in dem Text „Geschlossene Gesellschaften“ u.a. mit der „Tönniesschen Wiedererweckung“ durch die Tönnies Symposien und die dann folgende fruchtbare Zeit der „Tönnies-Forschung“ und mit deren Wiedererwecker Lars Clausen.
Johannes Willy Buske wurde am 23. August 1903 geboren und starb – jetzt wissen wir es endlich – am 12. Juni 1962. Buske war der letzte Verleger von Ferdinand Tönnies. Er brachte den Mut auf, die Werke von Tönnies noch zu veröffentlichen, als dieser bereits ein de facto Schreibverbot durch die National-sozialisten hatte. Der Wissenschaftliche Referent der Ferdinand-Tönnies-Gesellschaft Sebastian Klauke hat sich mit Unterstützung von Frau Prof. Bettina Clausen und dem einzigen Sohn von Buske Peter Buske daran gemacht, das an Höhe- und Tiefpunkten nicht eben arme Leben von Buske zu rekonstruieren. Dass Ferdinand Tönnies noch zwei Tage vor seinem Tod am 9. April 1936 die Fest-schrift zu seinem 80jährigen Geburtstag in Händen halten konnte, verdankt er ebenfalls Hans Buske, dem die schwere Erkrankung von Tönnies bekannt war.
Der Abschluss des Forums erinnert an das 130. Jubiläum des Hauptwerkes von Ferdinand Tönnies „Gemeinschaft und Gesellschaft“. Uwe Carstens berichtet über die flankierende Berichterstattung der Akteure bei der Entstehung des Wer-kes und die dann für Tönnies so enttäuschende Reaktion der Fachkollegen.
Die Ferdinand-Tönnies-Gesellschaft wird in diesem Jahr aus Anlass des 130. Jubiläums einen „Tönnies-Tag“ begehen, der eben dieses Hauptwerk zum Inhalt hat. Näheres dazu erfahren sie demnächst auf unserer Homepage.
Lassen sie mich mit den Worten von Ferdinand Tönnies, die so passend für un-sere Gesellschaft sind, dieses Forum beschließen: „Wir müssen Klarheit und Bewußtsein pflegen, wissenschaftliche Denkweise auf allen Gebieten uns zur Richtschnur nehmen, um den Aufgaben, die das heutige verwickelte Leben uns stellt, gerecht zu werden. Ohne Zagen lasset uns fortschreiten, das ist meine praktische Losung.“

Kiel, im Sommer 2017                                                                          Uwe Carstens