Die mindestens zwei Mal im Jahr von der Ferdinand-Tönnies-Gesellschaft herausgegebene soziologische Zeitschrift "Tönnies-Forum"

 bemüht sich mit überwiegend soziologischen Aufsätzen die aktuelle Tönnies-Forschung flankierend zu begleiten. 

Das Einzelheft kostet 8.- Euro (Jahres-Abonnement 16.- Euro) und kann u.a. bei der Ferdinand-Tönnies-Gesellschaft erworben werden.

 (ISSN 0942-0843)  

   

Inhalt:

Gedenkfeier für Jan Tönnies von Uwe Carstens

Über Jan Gerrit Tönnies von Uwe Carstens

Erinnerungen an Jan Tönnies von Cornelius Bickel

Gemeinschaft – die Karriere eines Begriffs zwischen Mitleid und Tribalismus von Niall Bond

Meine Begegnungen mit Jan Tönnies von Sebastian Klauke

Erinnerungen an einen fernen Freund von Claudia Knauer und Carsten Schlüter-Knauer

Jan Tönnies und Harro Schulze-Boysen von Uwe Carstens

Die Kundschaft der Marke von Alexander Deichsel und Jan G. Tönnies

 

Editorial

Sehr geehrte Leserinnen und Leser, liebe Freundinnen und Freunde der Ferdinand-Tönnies-Gesellschaft.

“ Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich es nicht glauben kann, dass Jan Tönnies nicht mehr lebt“ schreibt Cornelius Bickel in seinem Text für dieses Forum, das dem verstorbenen Enkel von Ferdinand Tönnies, Jan Gerrit Tönnies, gewidmet ist.

Als mich der Telefonanruf der Tochter von Jan Tönnies mit dieser Nachricht erreichte, war ich so geschockt, dass ich eine ganze Zeit keinen klaren Gedanken fassen konnte. Ich musste mich rückversichern, ob diese Nachricht tatsächlich der Wahrheit entsprach und also rief ich die mir bekannte Nummer an. Dort versicherte man mir, dass Jan Tönnies in der vergangenen Nacht gestorben war.

Mechanisch habe ich dann die Amtsträger der Ferdinand-Tönnies-Gesellschaft angerufen, um die traurige Nachricht weiter zu tragen. Sie fragten ähnlich ungläubig nach – keiner konnte es fassen. Hatten wir nicht vor wenigen Monaten noch mit Jan in der Forstbaumschule zusammengesessen? Hatten wir nicht vor wenigen Wochen im Ferdinand Tönnies Haus eine Veranstaltung mit dem „Amt für Kultur und Weiterbildung“ der Stadt Kiel durchgeführt, die „Neue Kulturspuren in Düsternbrook“ um das Grundstück und die Gedenktafel von Ferdinand Tönnies erweitern wollten? Und hatte nicht gerade Jan Tönnies lebhaft in die Debatte eingegriffen, um – auf seine besondere Art – die Diskutanten aus der Reserve zu locken? Und das soll alles vorüber sein? Natürlich wussten wir, dass es mit seiner Gesundheit nicht zum besten stand, aber es hat schon eine andere Qualität, wenn man diese endgültige Tatsache zur Kenntnis nehmen muss.

Jan Tönnies, der als Rechts- und Patentanwalt, ein vielbeschäftigter Mann war, hat sich für unsere Gesellschaft wann immer es ging Zeit genommen. So manches Mal hat er uns ohne große Gesten aus der Klemme geholfen. Darüber ein Wort zu verlieren war seine Sache nicht. Wenn ich mich nach einigen Wochen noch einmal für eine Unterstützung bedanken wollte, schaute er mich nur an und fragte: „Wofür?!“

Jan Tönnies war als Vertreter der Tönnies-Familie für die Rechte an den Werken seines Großvaters unser Ansprechpartner. Ich kann mich an keine Situation erinnern, in der es uns nicht unendlich leicht gemacht wurde. Wann immer ein Band der Tönnies-Gesamtausgabe vom Verlag kam, fuhr ich zu seinem Haus im Niemannsweg und überreichte im (nicht ohne Stolz) das neueste Werk. Obwohl kein ausgewiesener Kenner der Werke seines Vorfahrens, war er nicht unwesentlich daran beteiligt, dass Ferdinand Tönnies heute einen festen Platz in der Soziologie hat und seine Werke weit verbreitet sind.

Jan Gerrit Tönnies hat sich um die „Tönnies-Forschung“ verdient gemacht.

Wenige Wochen nach dem Tode von Jan G. Tönnies starb am 25. März nach langer Krankheit die Juristin, Soziologin und Publizistin Sibylle Tönnies. Am 5. April haben wir sie in Eutin auf ihren letzten Weg begleitet. Auch für Sibylle Tönnies wird es noch in diesem Jahr ein Forum geben, das ihr gewidmet ist.

Kiel, im Frühjahr 2017                                                                          Uwe Carstens