Dr. Uwe Carstens

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Forschungsschwerpunkte: Ferdinand Tönnies

Ferdinand Tönnies. Friese und Weltbürger. Biografie


Der Anlass zur Abfassung der Biografie über Ferdinand Tönnies war der Geburtstag des Begründers der Soziologie in Deutschland, der sich am 26. Juli 2005 zum 150. Mal jährte. Geboren unter dem Dach eines Haubargs auf der Halbinsel Eiderstedt (1855), aufgewachsen in Husum, wo er die Gelehrtenschule absolvierte und eine enge Freundschaft zu Theodor Storm unterhielt, war er später zeitlebens an der Kieler Universität tätig. Hier, wo er ein Haus im Niemannsweg hatte, starb er im 81. Lebensjahr 1936. Sein Nachlass befindet sich in der S-H Landesbibliothek. Ferdinand Tönnies, der von 1909 bis 1933 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Soziologie war, legte durch sein Hauptwerk "Gemeinschaft und Gesellschaft (1887)" den Grundstein für die Soziologie als Einzelwissenschaft in Deutschland. Er wurde zum Klassiker der soziologischen und philosophischen Wissenschaften durch seine Veröffentlichungen über Thomas Hobbes, von dem er bis dahin unbekannte Schriften in England entdeckte und publizierte. Ferdinand Tönnies hat in seinem langen Leben nahezu alle Epochen der jüngeren Geschichte durchlebt: angefangen im noch dänischen Herzogtum Schleswig, später in Preußen und im Kaiserreich, dann in der Weimarer Republik und schließlich unter den Nationalsozialisten, die er publizistisch bekämpfte. Er hat sich eingemischt, hat Partei ergriffen, sich aber nie vereinnehmen lassen. Die auf 374 Seiten mit zahlreichen Bildern und Dokumenten versehene Biografie zeichnet das Leben eines Gelehrten nach, der - obwohl eng mit seiner nordfriesischen Heimat verbunden - ein Kosmopolit war, der praktisch mit der ganzen Welt in Kontakt stand. Das Korrespondentenregister weist nahezu alle Träger des damaligen Geisteslebens aus und spiegelt das breit angelegte Interesse von Tönnies wider. Als der 78jährig 1933 von den Faschisten ohne Bezüge von der Universität gejagt wurde lernte Tönnies als Greis noch das kennen, worüber er als Wissenschaftler empirisch geforscht hatte: die Armut. Am 9. April 1936 ist Ferdinand Tönnies gestorben.

Books on Demand Norderstedt 2005, 372 Seiten mit zahlreichen zum Teil farbigen Abbildungen
ISBN 3-8334-2966-6

Lieber Freund Ferdinand. Die Bemerkenswerte Freundschaft zwischen Theodor Storm und Ferdinand Tönnies


Wer sich mit dem Philosophen und Soziologen Ferdinand Tönnies befasst, stößt zwangsläufig auf den Namen des großen deutschen Lyrikers und Novellisten Theodor Storm. Durch Tönnies’ Schwester Elisabeth, die eine Freundin der gleichnamigen Tochter von Storm war, wurde Tönnies zunächst mit den Söhnen, dann mit dem Dichter selbst bekannt. Die erste unmittelbare Begegnung 1864 in Husum bis hin zu Tönnies´ glänzend abgelegten Abitur 1872 förderte bereits die innigsten Freundschaftsbande, unverbrüchlich und beiderseits völlig ungetrübt bis ans Ende ihres gemeinsamen Weges und für den um eine Generation Jüngeren in verehrensvollem und verpflichtendem Rückerinnern darüber hinaus bis zum letzten Atemzug. Welchen Einfluss der um 38 Jahre ältere Storm auf Tönnies gehabt hat und was die Freunde verband, lässt sich an wenigen Beispielen, die in dem Buch ausführlich dargestellt werden, ablesen: Storms Zustimmung, in Straßburg gleich wieder die Zelte abzubrechen und das Studium in Jena zu beginnen; seine väterlichen Ermahnungen, doch als Verbindungsstudent in Jena nicht dem leidigen Biertrinken zu verfallen; fürsorglicher Gedankenaustausch mit Tönnies´ Angehörigen über dessen eingegangene Briefe aus der Ferne; stete Aufgeschlossenheit Storms den Studien wie auch den Ansichten und gewonnenen Einsichten des sich schnell Entfaltenden gegenüber; die stundenlangen gedankenschweren Spaziergänge auf dem Deich; das immer wiederholte, von Storm ganz besonders bei Geburtstagen und zu Weihnachten herbeigesehnte und -geführte tage- und wochenlange Beisammensein in Husum und später auch in Hademarschen bis ganz zuletzt; die Reise zur Tagung der Goethe-Gesellschaft in Weimar mit gemeinsamem Hotelzimmer, alles von Storm sorglich und umsichtig arrangiert; der Kuraufenthalt auf Sylt; der Abgesandte Storms bei Gottfried Keller in Zürich; Tönnies als Korrektor dichterischen Gestaltens, dem noch beim „Schimmelreiter“ eine lange Liste von Ausdrücken zur Begutachtung zuging und der für die geplante „Armesünderglocke“ in der Kgl. Bibliothek in Berlin ausführliche Erhebungen anstellte; nach Storms Ableben rührende Sorge um Frau Do und die Ihren; Festansprache bei der Einweihung des Brüttschen Stormdenkmals in Husum 1898; Würdigung des Dichters bei besonderen Gelegenheiten, vor allem die „Gedenkblätter“ zum 14. September 1917: wahrlich, über das Grab hinaus ein „Lieber Freund Ferdinand!“

Das Buch hat 296 Seiten (davon 120 farbig) und kostet 39,80 Euro. Es kann u.a. über die Ferdinand-Tönnies-Gesellschaft (Tel. 0431/551107) bezogen werden.
Books on Demand, Norderstedt 2008, ISBN 978-3-8370-4762-2

Weiter erschienen folgende Arbeiten von Dr. Uwe Carstens:


Paulsen und Tönnies – eine lebenslange, nicht immer einfache Freundschaft, in: Thomas Steensen (Hrsg.): Friedrich Paulsen. Weg, Werk und Wirkung eines Gelehrten aus Nordefriesland, Nordfriisk Instituut, Husum 2010, ISBN 978-3-89876-484-1
Ferdinand Tönnies. Friese und Weltbürger, in: Jahrbuch für Heimatkunde Eutin 2007, ISSN 1866-2730
Der Begründer der Soziologie und ein aufrechter Mann. Zur Einweihung des Ferdinand-Tönnies-Denkmals in Husum, in: Nordfriisk Instituut (Hrsg.): Nordfriesland 2006, Nr. 153