Die mindestens zwei Mal im Jahr von der Ferdinand-Tönnies-Gesellschaft herausgegebene soziologische Zeitschrift "Tönnies-Forum"

 bemüht sich mit überwiegend soziologischen Aufsätzen die aktuelle Tönnies-Forschung flankierend zu begleiten. 

Das Einzelheft kostet 8.- Euro (Jahres-Abonnement 16.- Euro) und kann u.a. bei der Ferdinand-Tönnies-Gesellschaft erworben werden.

 (ISSN 0942-0843)  

   

Inhalt:

Ferdinand Tönnies in der Wikipedia von Sebastian Klauke

Vom poetischen Realismus zur wissenschaftlichen Prosa. Das Beispiel Husum von Arno Bammé

Die Situation der Universität Kiel um 1920 von Uwe Carstens

Mit Ferdinand Tönnies zum bedingungslosen Grundeinkommen! von Deborah Ryszka

Die große Menge und das Volk von Ferdinand Tönnies

Das Frauenbild von Ferdinand Tönnies von Uwe Carstens

Hundert Jahre Frauenwahlrecht von Uwe Carstens

Das X. Internationale Tönnies Symposium von Sebastian Klauke

Schleswig-Holstein von Dieter Andresen

 

Editorial

Eine ganze Reihe internationaler Jahrestage – also Aktionstage oder Gedenktage – stehen uns im Jahr 2019 ins Haus. Dabei denke ich nicht zwangsläufig an den Blockflötentag am 10. Januar oder den Welt-Schildkrötentag am 23. Mai, sondern an Jahrestage wie z.B. den 200. Geburtstag von Heinrich Theodor Fontane, der am 30. Dezember 1819 in Neuruppin geboren wurde und uns z.B. mit seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ immer den Mut zur ausgleichenden höheren Titulatur gelehrt hat (wir würden heute wohl im Sinne von Fontane sagen „bitte etwas tiefer hängen“).

Auch des 100. Geburtstages des Frauenwahlrechtes gilt es in diesem Jahr zu gedenken. Am 19. Januar 1919 konnten Frauen in Deutschland erstmals wählen und gewählt werden – interessant ist in diesem Kontext der gesunkene Anteil von Frauen im 19. Bundestag, der aktuell mit 218 Frauen (30,7 %) und 491 Männern insgesamt 709 Abgeordnete hat. Soviel zunächst dazu – wir kommen darauf zurück.

Herzlich willkommen zu unserer Aprilausgabe 2019, sie kommt pünktlich zu Ostern und wir haben für Sie Überraschungseier zuhauf oder um es mit dem schon genannten Theodor Fontane zu sagen: „[…] das ist ein weites Feld (Effie Briest)“.

Zunächst soll auf eine für die FTG wichtige Veranstaltung, nämlich das „X. Internationalen Tönnies Symposium“ hingewiesen werden. Anlass der Veranstaltung ist das diesjährige Erscheinen von Gemeinschaft und Gesellschaft als Band 2 der Tönnies-Gesamtausgabe. Unter dem Titel „Gemeinschaft und Gesellschaft: Gemeinwohl und Eigeninteresse heute“ wird es im Symposion darum gehen, dem Denken von Ferdinand Tönnies vor dem Hintergrund aktueller vielfältiger sozialer Herausforderungen und Krisen nachzuspüren. Außerdem wird der thematische Reichtum des Klassikers im Kontext der Wissenschaftsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts beleuchtet. Einzelheiten entnehmen Sie bitte den abgedruckten Veranstaltungshinweisen.

Der Wissenschaftliche Referent der FTG Sebastian Klauke stellt den jüngst von Jürgen Oetting erarbeiteten Artikel über Ferdinand Tönnies aus dem Wikipedia vor. Nach Auskunft von Oetting hält sich die Zusammenstellung eng an die biographischen Gegebenheiten des Protagonisten. Der Lohn für Oettings akribische Arbeit war die Aufnahme in die Liste der exzellenten Wikipedia Artikel.

Der Soziologe und Didaktiker Arno Bammé erhielt am 28. Oktober 2018 die höchste Auszeichnung, die der Kreis Nordfriesland zu vergeben hat, den „Hans-Momsen-Preis“. Der Hans-Momsen-Preis ist ein Ehrenpreis, der seit 1986 jährlich vom Kreis Nordfriesland an Persönlichkeiten verliehen wird, die sich in besonderer Weise um das kulturelle Leben in Nordfriesland verdient gemacht haben. Bammé erhielt den Preis für seine Verdienste im Bereich der nordfriesischen Literatur, der Soziologie und der Aktionskunst. Wir drucken hier die Dankesrede von Bammé ab, die deutlich werden lässt, wie intensiv sich der Preisträger u.a. mit Ferdinand Tönnies beschäftigt hat und nicht zufällig die „Materialien der Ferdinand-Tönnies-Arbeitsstelle am Institut für Technik- und Wissenschaftsforschung der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt“ herausgibt.

Wie sah es 1920 auf der Kieler „Christiana-Albertina“ aus, fragt Uwe Carstens im nächsten Beitrag unseres Heftes. Der Text basiert auf einem Vortrag, den Carstens zum 90. Jubiläum des „Wirtschaftswissenschaftlichen Clubs“ im November 2010 im „Institut für Weltwirtschaft“ gehalten hat. Konkret gab es z.B. im Sommersemester 1920 an der CAU vier Fakultäten: die Theologische Fakultät, in der u.a. Otto Baumgarten lehrte, die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät u.a. mit Walter Schücking, Ferdinand Tönnies, Gustav Radbruch und Bernhard Harms, die Medizinische Fakultät u.a. mit Otto Meyerhof, Otto Diels und Willy Anschütz und die Philosophische Fakultät u.a. mit Cay von Brockdorff. Daneben gab es „Lehrer der Künste“ die von montags bis freitags Fechtkurse abhielten. Also war die CAU auch 1920 schon eine recht ambitionierte Alma Mater.

Die Philosophin Deborah Ryszka setzt sich mit dem zurzeit vieldiskutierten „Bedingungslosen Grundeinkommen“ auseinander. Die grundsätzliche Begründung eines BGE wird darin gesehen, dass es jedem Menschen ermögliche, ein menschenwürdiges Leben zu führen. Das allein wäre nicht unbedingt ein Grund, dieses Thema im Forum zu präsentieren, aber Frau Ryszka sieht es durch die Brille von Ferdinand Tönnies – und sofort bekommt der Text für uns ein anderes Gewicht. Aber lesen sie selbst und teilen Sie uns Ihre Meinung dazu mit.

Wir wenden uns nun dem bereits angekündigten Thema „Frauenwahlrecht“ zu. „Die große Menge und das Volk“ ist ein Text von Ferdinand Tönnies, den er 1920 in „Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft im Deutschen Reiche“ veröffentlichte und der gewissermaßen auf dieses Thema einstimmt. In erster Linie handelt es sich um einen Text über die Frage des sozialen Wollens und enthält damit auch unsere Problemstellung.

Bevor wir zu einer Collage von Tönnies-Aussagen über das Frauenwahlrecht kommen, soll noch einmal der Text „Das Frauenbild bei Ferdinand Tönnies“, den wir bereits im Forum 1/2001 – also vor gut 18 Jahren – abdruckten, gewissermaßen als „Einleitung“ vorangestellt werden. Es soll nicht verschwiegen werden, dass dieser Text durchaus kritisch gesehen wurde und auch hier werden wir uns, sollte es Gegenargumente geben, im nächsten Forum damit auseinandersetzen.

Damit sind wir bei der Collage über Aussagen von Ferdinand Tönnies bzgl. des „Frauenwahlrechts“ angelangt, die natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Manches musste „umfangreicher“ dargestellt werden, um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, man habe die Aussage aus dem „Zusammenhang gerissen“.

Das Schönste kommt auch hier zuletzt. Unser Mitglied Dieter Andresen, der sich in vielfacher Weise mit Ferdinand Tönnies auseinandergesetzt hat (siehe zum Beispiel das Buch von D. Andresen „Kraftfeld Heimat. Profile des Nordens“ und hier besonders „Philosophia Frisionum“ – Tönnies und Paulsen, „Nur der freie Mensch ist ein echter“ – Tönnies und Groth, „Ein großer Eiderstedter“, „[…] sub specie aeternitatis“ – Tönnies und die Theologie). Dieses Mal schenkt D. Andresen uns ein Gedicht, das möglicherweise sogar noch einen schöneren Text als das Original bekommen hat. Das Besondere: das Versmaß stimmt und es ist „singbar“ – versuchen Sie es.


April 2019                                                                          Ihr Uwe Carstens